Herzlich willkommen auf der offiziellen Seite

des Verbands für Reiterspiele Mounted Games Deutschland.

„Einer für alle und alle für einen“ / „Bin ich eigentlich der Einzige, die den Schiedsrichter nicht sieht?“

Das war sie nun, die Europameisterschaft 2018 in La Bonde, Frankreich. Leider habe ich es aus beruflichen Gründen nicht rechtzeitiger geschafft, über diese Woche zu berichten. Dies möchte ich nun nachholen.

Hinter uns liegt eine Woche voller Erlebnisse, Eindrücke, Emotionen, Höhen und Tiefen und wie immer neuer Freundschaften. Ich darf mich nun (wenn auch unfreiwillige) Motorradbeifahrerin nennen, habe Eindrücke französischer Krankenhäuser gewinnen können und von morgens bis spät in die NACHT Mounted Games sehen dürfen.

Die Anreise am Samstag hat hervorragend geklappt, sodass Reiter und Ponys ausreichend Zeit hatten, sich von der langen Fahrt zu erholen. Das Training am Sonntag auf der neuen Arena verlief so ziemlich genau, wie ich es erwartet hatte: Dadurch, dass die Veranstalter keinen Trainingsplan herausgegeben hatten, trainierten alle Mannschaften wann immer sie wollten. Das Ergebnis: Es war unglaublich voll und unübersichtlich auf der Arena. Wir waren drei Erwachsene, die dafür sorgten, dass uns keiner die Trainingsbahn wegnahm und unsere Reiter im Spiel Platz hatten. Hier und da passierten den Reitern ein paar Fehler, aber im Großen und Ganzen hatte ich das Gefühl, dass die sechs ganz gut auf die Veranstaltung eingestellt waren.

Für unsere Ersatzreiterin ging es bereits am Montag mit der Einzelmeisterschaft der U17 los. Es war das erste internationale Turnier für sie und die Aufregung war natürlich groß. Dennoch kann man sagen, dass sie sukzessive Runde für Runde konzentrierter bei der Sache war und schließlich eine sehr gute dritte Qualifikation reiten konnte. Auch im Finale zeigte sich, dass sich die Taktik „Einfaches Mounted Games“ durchaus bezahlt macht. Am Ende erreichte sie den vierten Platz in ihrem Finale und ich bin mir sicher, dass sie viel dazugelernt hat und mit positiver Erinnerung aus dem Turnier gehen konnte.

Die Teamrunden starteten am Mittwoch. Die fünf Mädchen ritten ihre erste Qualifikation sehr konzentriert, machten wenig Fehler und konnten durchaus mit der Geschwindigkeit der anderen Teams gut mithalten. Sie landeten auf Platz 3 hinter Italien und England. Die zweite Runde fiel im warten Sinne des Wortes ins Wasser. Es goss in Strömen – eigentlich eine tolle Abwechslung zu den bisherigen 37 Grad – jedoch machte den Reitern das Wetter ordentlich zu schaffen. Wir verloren unseren Rhythmus und es kam zu vielen Fehlern. Die Punkte reichten jedoch noch immer, um sich zunächst weiterhin auf A-Finale-Kurs halten zu können. In Qualifikation 3 und 4 zogen die Reiterinnen das Tempo wieder an. Sie wurden routinierter, halfen sich untereinander und waren eine starke Gemeinschaft. Fehler passierten, jedoch wurde diese schnell und konzentriert korrigiert.

Wir zogen also tatsächlich als 5. Team ins A Finale ein – Freunde und Aufregung waren riesig!

Im A Finale lief es dann nicht mehr so rund wie zuvor. Die ersten zwei Spiele sammelten sie nach Übergabefehlern und Problemen beim Werkzeugkastenrennen nur einen Punkt. Zwar konnten sie sich danach immer wieder aufrappeln, jedoch zeigt die Punktefolge (1, 1, 6, 6, 2, 1, 2, 3, 6, 1, 1, 6), dass sie die Leistung nicht konstant aufrecht halten konnten. Im vorletzten Spiel verletzte sich zudem eine Reiterin beim Aufspringen, sodass sie ins Krankenhaus fahren musste. Unsere Ersatzreiterin würde also das zweite Finale mitreiten müssen. An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass sich der Einsatz der Ersatzreiter bei der Einzelmeisterschaft auszahlt! Die Aufgabe der Ersatzreiterin ist keine leichte – sie muss sich in ein zuvor gefestigtes Team einfinden und sich schnell anpassen können. Dennoch wurde diese Aufgabe mit Bravour gemeistert und ich konnte sie sogar öfters einsetzen, als ich vor dem Finale geplant hatte. Leider konnte sich das Team nicht mehr wirklich finden, der Rhythmus war weg und es passierten viele Fehler (Punkte: 1, 1, 1, 1, 6, 1, 2, 5, 5, 5, 2, 3). Natürlich war die Enttäuschung am Ende erst einmal groß. Besonders im Hinblick auf die Vorrunden war deutlich geworden, dass das Team durchaus die Plätze 3-6 hätte belegen können. Solch eine Europameisterschaft verlangt jedoch extrem viel von allen Beteiligten. Das Semifinale und auch das A Finale der Einzelmeisterschaft der Offenen Klasse endete erst weit nach Mitternacht. Die Tage begannen sehr früh, und das mit Temperaturen, die eher zum Schwimmen im anliegenden Fluss als zum Sport anregen. Dies zehrt natürlich enorm.

Nichtsdestotrotz bin ich unfassbar stolz auf „mein“ Team. Sie haben gezeigt, was in ihnen steckt, sie haben das A Finale als 5. beste Mannschaft von insgesamt 11 teilnehmenden U17 Team erreicht – unser Haupt-Etappenziel war erreicht. Viele Teams, die am Ende vor der deutschen Mannschaft platziert waren, haben unsere Reiterinnen in den Vorrunden geschlagen. Die Mädchen haben ein sehr gutes, sportliches und faires Bild abgegeben – dies gilt für den Umgang mit ihren Ponys, mit ihren Teamkollegen, mit mir, den Supportern/Eltern und auch mit den anderen Reitern.

Dieses Team hat mir natürlich auch den einen oder anderen Magenkrampf und Kopfschmerzen bereitet. Sie haben mich aber auch zu Tränen gerührt und mich unheimlich stolz gemacht. Es hat mir jeden der 9 Tage in Frankreich Spaß gemacht, als Trainer zu fungieren und sie zu betreuen und deswegen möchte ich mich an dieser Stelle bedanken. Ich möchte mich bedanken für genau diese tollen Erlebnisse, Eindrücke, Emotionen und die vielen neuen Freundschaften, die diese Europameisterschaft unvergesslich gemacht haben. Das Team hat eine Stärke ausgezeichnet, die dafür verantwortlich war, dass wir uns nach der recht schlechten zweiten Qualifikation neu aufraffen und wieder angreifen konnten. Der Leitspruch „Einer für alle und alle für einen“, bzw. „Einer für alle und alle für Anna“ war definitiv das Motto der Woche. Die Siegerehrung konnten sie schließlich Gott sei Dank wieder zu sechst antreten, was ein toller Abschluss war!

Ein mindestens genauso großer Dank gilt den Eltern dieser Reiter! Ohne sie wäre die Woche nur hab so erfolgreich verlaufen. Ich habe selten solch eine harmonische und unterstützende Gemeinschaft erlebt – und das gilt für das gesamte deutsche Lager mit allen Altersgruppen. Ich konnte mich wirklich auf jeden einzelnen verlassen (z.B. Arenaparty, Linienrichter, Asyl während des Unwetters, Wasserträger, etc.) und mich somit ganz und gar auf das Team konzentrieren. Vielen Dank dafür!

Lena Engelke hat ein tolles Video von der Woche zusammengeschnitten – eine schöne Erinnerung an eine erlebnisreiche Europameisterschaft! (https://www.youtube.com/watch?v=PnQTjCaDgR8)

Svea Moormann

 

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok